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Geschichtlicher Verlauf der Berglok HGe 4/4 I (Muni)

Nach der Elektrifikation des Brünigs im Jahre 1941 entwickelte sich der Personenverkehr immer mehr. Ungefähr 20 Jahre später sah man sich bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB gezwungen, bei der Bergtraktion nach Lösungen zu suchen, weil die leichten und schnellen Gepäcktriebwagen Deh 4/6 (früher Fhe 4/6) zu schwach für die immer länger und schwerer werdenden Personenzüge waren.

Anfangs der 1950-er Jahre bestellten deshalb die SBB 2 neuartige Berglokomotiven. SLM lieferte den mechanischen und MFO den elektrischen Teil. Da in dieser Zeit die SBB praktisch parallel auch eine Hochleistungslokomotive am Gotthard bestellten (Ae 6/6), lag es nahe, die Ingenieurskunst auch auf das schmalspurige Pendant zu übertragen. Tatsächlich kann man innen und aussen gewisse Ähnlichkeiten mit der Ae 6/6 erkennen.

Im Gegensatz zu der relativ komplizierten Synchronisation der Zahnräder mit den Adhäsionsrädern der Fhe 4/6 sollten die starken Fahrmotoren der neuen HGe 4/4 mechanisch viel einfacher die enorme Kraft auf die Zahnstange übertragen. Dies hatte insofern den Nachteil, dass die Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h beschränkt ist.

Durch die einfache Kraftübertragung erhoffte man sich weniger Unterhalt und Störungen. Dies bewahrheitete sich nicht. Es ergaben sich nach der Inbetriebnahme 1954 oft lange Ausfallzeiten. Trotzdem konnte durch die erhöhte Traktionsleistung am Berg die Effizienz gesteigert werden. Neben den täglich 7 Bergfahrten fuhr der «Muni» anfangs der 70-er Jahre auch das «Milch-Zügli» über den Berg. Inspiriert von den Loktaufen der Ae 6/6 wurden auch die beiden Munis 14 Jahre nach der Ablieferung feierlich am 5. Dezember 1968 auf die Namen «Meiringen» (Lok Nr. 1991) und «Giswil» (Lok Nr. 1992) getauft.

     
  Taufe der 1991 Meiringen  
  Foto: Josef Reinhard / privates Archiv  

Bis zu diesem Zeitpunkt verkehrten die zwei Loks farblich im grünen Einheitskleid. Kurz nach den Taufen wurde eine Generalüberholung (R3) nötig. Die SBB 1964 die Vorserie und danach ab 1967-1985 die Einheitslok Re 4/4 II (Re420). Auch diese Lok wurde bei der Erstinbetriebnahme im völlig grünen Kleid abgeliefert. Das änderte sich mit den ersten Revisionen ab den 70-er Jahren. Genau gleich wurden die HGe 4/4 I farblich angepasst.

Mit der Ablieferung zweier Prototypen HGe 4/4 II im Jahre 1985 minimierten sich die Bergeinsätze und ab diesem Zeitpunkt traf man die Maschinen auch mal im Flachland vor einem Güterzug an.

1990 wurden weitere HGe 4/4 II als neu nummerierte HGe 4/4 101 961 - 968 in Betrieb genommen. Die Einsatzplanung wurde dementsprechend angepasst. Die regelmässigen Güterzüge ab Sarnen und Kägiswil nach Luzern fuhren fortan mit den Bergloks. Diese Umplanung der Einsätze stand in keinem Gegensatz zur Effizienz, da die Rollschemel ebenfalls die gleiche Höchstgeschwindigkeit aufweisen.

1994 erlitt die HGe 4/4 I 1991 einen Antriebsschaden und wurde in Meiringen stillgelegt und im gleichen Jahr auch ausrangiert.

1995 Abbruch der HGe4/4 I 1991. Da die Schwesterlok 1992 noch voll funktionsfähig bleibt, werden die Fahrmotoren der abzubrechenden 1991 mit anderen wertvollen Ersatzteilen vorgängig ausgebaut und gelagert.

1996 endet die Ära der zweiten Lok 1992 weil eine Revision der Bandbremse fällig wurde. Da ein schlüssiges Einsatzkonzept für die einzig verbliebene Berglok fehlt, wird sie in Meiringen fahrfähig auf ein Abstellgleis gestellt.

1997 äusserten sich vermehrt Mitglieder des 1995 gegründeten Vereins «Brünig-Nostalgie-Bahn» und unabhängig davon auch Aussenstehende über den Verbleib des Munis. An der GV 1997 beschloss man den Muni der Nachwelt zu erhalten.

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